Unser Klassenlehrer, ein junger Assessor, hatte noch mutige Ideen für Klassenfahrten und so planten wir gemeinsam eine Radwanderfahrt durch die Lüneburger Heide nach Lübeck.
Unser Ziel war die Jugendherberge Priwall.
Diese Fahrt bleibt für mich aus mehreren Gründen fest im Gedächtnis :
1. ich war alleine zu Hause und hatte nachts noch sehr lange an einem damals sehr modernen Blouson genäht, den ich unbedingt mitnehmen wollte. Leider habe ich dann morgens verpennt und den Zug nicht erreicht, der unsere 1.Etappe verkürzte.
Ich bat den aus der Nachtschicht gekommenen Nachbarn um Hilfe, der mich dann mit dem Auto nach Wittingen brachte, wo wir sogar noch VOR dem Zug eintrafen. Leider hatte ich danach nicht mehr viel Taschengeld, denn den größten Teil habe ich ihm für Benzin und seine Mühe und Freundlichkeit gegeben.
Die gesamte Gruppe hatte sich Sorgen gemacht, auch noch jemanden losgeschickt, der mich suchen sollte und dann überlegt, was denn mit dem Fahrrad passieren sollte, das ja bereits in Wittingen war - wir hatten die Räder vorausgeschickt. Alle freuten sich dann, dass ich doch da war.
2. eine Mitschülerin hatte zwar ein Fahrrad, war aber noch nie längere Strecken gefahren, da sie aus begütertem Hause kam und somit überall mit dem Auto hingefahren wurde.
Es kam wie es kommen musste - sie schwächelte schon sehr bald und unsere Assessor kümmerte sich sehr um sie. Leider verloren sie dabei in der Heide auf den Sandwegen den Anschluss, gerieten in ein Gewitter und kamen völlig durchnässt sehr spät nach uns erst in der Herberge an. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt .....
3. ein Mitschüler war der Sohn eines Bundestagsabgeordneten und hatte auf ordentliches Benehmen in der Öffentlichkeit zu achten.
Wie peinlich - leicht angeheitert fiel er abends ins Hafenbecken und musste von uns gerettet werden ! Seine einzige Sorge aber war, dass niemand es seinem Vater erzählte ! Daran hielten wir uns.
Insgesamt war die Fahrt schon ein Erlebnis! Als Begleiterin der Mädchen fuhr eine sportliche ältere Schwester eines Mitschülers mit, die auch unterwegs jeden Spass mitmachte.
Etwas erstaunt waren wir über die Unterbringung in Priwall - wir schliefen nicht im Haupthaus, sondern draussen auf dem riesigen Freizeitplatz in 10-Mann Zelten. Das war soweit ok, nur als es regnete, war doch alles sehr klamm. Die Toiletten und Waschräume waren drinnen, gefrühstückt haben wir auch draußen, nur das Abendessen bekamen wir drinnen, denn das wäre alles kalt geworden, bis wir es auf den Tellern gehabt hätten.
Beklaut worden ist niemand soweit ich mich erinnere, was sicher heute ungewöhnlich wäre.
priwall lag damals an der Zonengrenze, was für uns nichts Besonderes war, da wir ja auch aus einem Zonengrenzort kamen.
Unsere Ausflüge führten uns an die Steilküste in Travemünde, den Ort selber, das Segelschulschiff Passat und die Stadt Lübeck. Von hier ging es dann auch wieder mit dem Zug zurück - ohne Probleme oder besondere Ereignisse.
Noch einige Verweise auf die Ziele unserer Fahrt:
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